PONS PC-Wörterbuch Wirtschaft - (ifinger)

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   Wer regelmäßig Übersetzungen anfertigt oder auch nur fremdsprachige Texte als Informationsquelle benutzt (und wirklich verstehen will), kann auf ein Wörterbuch kaum verzichten. Am liebsten natürlich in elektronischer Form – das Nachschlagen ist deutlich schneller, als wenn man einen dicken Schinken mit mehreren hundert Seiten jedesmal nach dem richtigen Eintrag durchblättern muß.

   Bedingung für erfolgreiches Arbeiten mit elektronischen Wörterbüchern ist natürlich zum einen eine leichte, intuitive Bedienung, optimalerweise mit einer Softseek-Funktion, die Wortergänzungen und ähnlich geschriebene Wörter automatisch vorschlägt. Zum anderen ist ein ausreichend großes Vokabularium vonnöten. Wenn ein Wort in sechs verschiedenen Wissensbereichen sechs verschiedene Bedeutungen hat, sollten in einem guten Wörterbuch alle sechs mit Beispielen zu finden sein. Kaum etwas ist bei Übersetzungen ärgerlicher, als aufgrund einer ausgelassenen Definition in einem zu kleinen Wörterbuch zuhauf graue Haare zu bekommen, weil der Text mit den aufgeführten Definitionen einfach keinen Sinn ergibt. Pluspunkte wären weiterhin dafür zu vergeben, wenn eine Ergänzung des Wortschatzes mit eigenen Einträgen möglich ist.

   Die elektronischen Wörterbücher blicken auf eine lange Tradition zurück. Schon Mitte der 80er Jahre zu guten alten DOS-Zeiten gab es z.B. von Langenscheid ein PC-Wörterbuch, das sich speicherresident laden ließ und dem Übersetzer mittels zweier Tastatur-Kürzel den schnellen Wechsel zwischen Textverarbeitung und Wörterbuch erlaubte.

   Auf dem Prüfstand stand diesmal das PC-Wirtschaftswörterbuch von PONS. PONS ist ein renommierter Wörterbuchverlag, von dem man auch für ein elektronisches Wörterbuch ein Qualitätsprodukt erwarten darf.

   Die erste Überraschung erwartete uns bereits bei der Installation. Der Install-Shield-Assistant verkündete, daß er nun ifinger zu installieren gedenke. Nanu – falsche CD? Wir wollten doch das PONS-Wörterbuch installieren? Wie sich nach Abbruch und Kontrolle herausstellte, war es die richtige CD – aus Gründen, die PONS und die Götter wissen, heißt das Programm ifinger. Die restliche Installation lief problemlos.

   In der selbsterklärenden Konfiguration läßt sich ein Hotkey für die rasche Aktivierung definieren. Im inaktiven Zustand verschwindet ifinger im System-Tray und kann von dort durch Mausklick oder Hotkey wieder aktiviert werden.

   Beim Aufruf erfreute ifinger durch ein angenehm kleines Eingabefenster von gerade einmal 0,5 x 9,2 cm. Selbst auf dem vollgestopftesten Desktop findet dies noch irgendwo ein Plätzchen. ifinger kann in beide Richtungen übersetzen – vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt.

   Beim Nachschlagen eines vorhandenen Wortes erfreut ifinger mit recht ausführlichen Definitionen einschließlich Beispielen. Pluspunkt – hier kommt die gewohnte Qualität der PONS-Wörterbücher voll zum Tragen. Ein zweischneidiges Schwert ist die automatische Spracherkennung anhand des eingegebenen Wortes. Das wird nämlich dann zum Problem, wenn ein Wort mit gleicher Schreibweise, aber unterschiedlichen Bedeutungen in beiden Sprachen vorkommt. Beispiel – bei Eingabe von „stock“ erkennt ifinger das deutsche Wort und gibt als Übersetzung korrekterweise das englische „floor“ aus. Uns ist es nicht gelungen, eine Übersetzung des englischen „stock“ (ca. 20 verschiedene Bedeutungen im englischen, die wichtigsten aus der Finanzwelt sind „Lagerbestand“, „Aktien“ und „Rohmaterial“) zu erhalten – dicker Minuspunkt.

   Vom Wortschatz her bietet ifinger mit einigen 10.000 Einträgen einen recht ausführlichen Rundschlag durch die Wirtschaftsfeld. Allerdings muß es sich natürlich einen Vergleich mit Sharewaretools wie MakeSense und dem Freeware-Klassiker Babylon gefallen lassen. Diese bieten zwar nur eine bloße Übersetzung ohne Hintergrundinformationen und Beispiele zu einzelnen Wörtern. Vom Wortschatz her sind sie ifinger allerdings teilweise sogar überlegen.

   ifinger erlaubt das Neuanlegen von Benutzerwörterbüchern. Wenn man sich die Mühe der wortweisen Eingabe macht, kann man neben der Übersetzung umfangreiche Kommentare zu einem Wort eingeben. Auch der Import einer vorhandenen Textdatei mit mit frei definierbarem Trennzeichen in ein Benutzerwörterbuch ist möglich. Einträge aus einem probehalber angelegten Benutzerwörterbuch mit einigen nicht im Standardwörterbuch enthaltenen Einträgen wurden allerdings auch nach Beenden und Neustart von ifinger nicht gefunden, obwohl das entsprechende Benutzerwörterbuch in der Konfiguration als aktiviert angezeigt wurde – Minuspunkt.

   Ebenso vermißten wir bei ifinger eine Softseek-Funktion, die automatisch Wortergänzungen vorschlägt oder ähnlich geschriebene Wörter auflistet. Nur wenn ein Wort in exakt richtiger Schreibweise eingegeben wird, bekommt man eine Übersetzung (sofern sie im Wörterbuch vorhanden ist natürlich). Ansonsten gibt es nur die Meldung „Leider nichts gefunden“.

   Zusammenfassend ergibt sich folgende Wertung:

Positiv:

  • Angenehm kleines Fenster
  • Ausführliche Informationen mit Verwendungsbeispielen zu gefundenen Wörtern

Negativ:

  • Übersetzungsrichtung ist nicht einstellbar, was zu Übersetzungsausschlüssen führt
  • Beschränktes Vokabular
  • Selbst angelegte Benutzerwörterbücher funktionieren nicht richtig
  • Keine Softseekfunktion

   In unseren Augen ist dies gerade einmal ein ‚Ausreichend‘. Von einem Verlag wie PONS hätten wir ein ausgereifteres Produkt erwartet.